Artikel in der Rheinpfalz vom 03.11.26
Die Rheinpfalz hat in ihrer Ausgabe vom 03.11.26 die Entwicklungen rund um das Kloster aufbereitet. Den Artikel kann man hier lesen.
Die Rheinpfalz hat in ihrer Ausgabe vom 03.11.26 die Entwicklungen rund um das Kloster aufbereitet. Den Artikel kann man hier lesen.
Der Stadtrat Stadt Edenkoben wird in seiner Sitzung am
30.09.26 um 19:00 Uhr Wappensaal der Stadt Edenkoben, Weinstraße 66 a, 67480 Edenkoben
die Beteiligungen der Öffentlichkeit und sonstiger Träger öffentlicher Belange abwägen und ggf. die Statzung zum Bebaungsplan verabschieden.
Der Bau-, Liegenschafts- und Verkehrsausschusses der Stadt Edenkoben wird in seiner Sitzung am
16.09.26 um 19:00 Uhr im Ratssaal des Rathauses Edenkoben, Poststraße 23, 67480 Edenkoben
die Beteiligungen der Öffentlichkeit und sonstiger Träger öffentlicher Belange abwägen, um für die nächste Stadtratssitzung am 30.09. eine Entscheidung vorzubereiten.
Leider ist in der Ankündigung nur der Geltungsbereich als Dokument angefügt, so dass es nicht möglich ist, sich im Vorfeld mit der Kommentierung der Stellungnahmen zu beschäftigen.
Die Offenlegung zum Bebauungsplan Kloster Heilsbruck ist abgeschlossen. Wir möchten uns ausdrücklich bei allen Bürgern bedanken, die sich mit dem vorliegenden Entwurf beschäftigt und Ihre Bedenken und Hinweise mit eigenen Stellungnahmen ins Verfahren eingebracht haben.
Zusätzlich haben wir uns auf Grund der zahlreichen Problemstellen und Regelungsdefizite im aktuellen Entwurf dazu entschlossen, eine renommierte Anwaltskanzlei für Verwaltungsrecht hinzuzuziehen, die unsere Argumente strukturiert, mit dem notwendigen rechtlichen Kontext versehen, die geplanten Regelungen mit der geltenden Rechtsprechung abgeglichen hat und uns im weiteren Verlauf des Bebauungsplan-Verfahrens unterstützen wird.
Das Ergebnis möchten wir im folgenden zugänglich machen:
Der Bebauungsplanentwurf weist das Plangebiet als „Sonstiges Sondergebiet“ gemäß § 11 Abs. 2 BauNVO aus, unterteilt in SO 1 „Kloster Heilsbruck“ und SO 2 „Klostermühle“. Innerhalb dieser Sondergebiete soll ein Nutzungsgemisch aus
ermöglicht werden. So erlaubt SO 1 u.a. ein Hotel Garni mit Spa (max. 40 Zimmer), ein Boardinghouse (max. 4 Wohneinheiten), Gastronomie mit 240 Sitzplätzen (bis zu 120 im Freien) sowie Veranstaltungsräume für bis zu 180 Personen. In SO 2 sind ein kräuterverarbeitender Betrieb mit Café, begleitende Seminare, nicht störendes Kleingewerbe, Wohnen (max. 2 Wohnungen) und Ferienwohnungen (max. 3 Einheiten) vorgesehen. Auch hier sind gastronomische Einrichtungen zulässig, insgesamt bis zu 100 Bewirtungs-Sitzplätze (insbesondere im Außenbereich des Kräutergartens). Bemerkenswerterweise gestattet der Plan in SO 2 ebenfalls Veranstaltungen und private Feiern in entsprechenden Räumlichkeiten.
Aus bauplanungsrechtlicher Sicht ist die Ausweisung eines derart umfangreichen Nutzungsmixes in einem Sondergebiet zwar grundsätzlich nach § 11 Abs. 2 BauNVO möglich, erfordert jedoch eine klare Zweckbestimmung und eindeutige Festsetzungen der Nutzungsart. Diese Eindeutigkeit lässt die Planung vermissen. Zwar werden die einzelnen Nutzungen aufgezählt und teilweise quantitativ beschränkt (Zimmerzahl, Sitzplätze etc.). Doch bleibt fraglich, ob sämtliche vorgesehenen Vorhaben von der formulierten Zweckbestimmung gedeckt sind. Insbesondere die Veranstaltungsnutzung wirft Abgrenzungsfragen auf: Veranstaltungen mit bis zu 180 Personen sind keine typische Nebenanlage eines Beherbergungsbetriebs mehr, sondern stellen eigenständige Vergnügungsstätten bzw. Eventnutzungen dar. Deren Vereinbarkeit mit einem „nicht störenden” Gewerbecharakter ist nicht gegeben; tatsächlich sind derartige Veranstaltungen potentiell störend für die Umgebung, was im Widerspruch zur Formulierung „nicht störend” in den Festsetzungen steht. Hier liegt die Annahme eines sog. Etikettenschwindels nahe (vgl. BVerwG ZfBR 2000, 353; OVG Lüneburg ZfBR 2000, 137; VGH Mannheim BeckRS 2020, 19110); siehe die Ausführungen des auch hier zuständigen OVG Rheinland-Pfalz im Urt. vom 29. Jan. 2015 – 1 C 10442/14.OVG:
„Ein Plangeber, der ein […] festsetzt, muss deshalb das gesetzlich vorgesehene Miteinander grundsätzlich unterschiedlicher Nutzungen auch wollen oder zumindest sicher voraussehen, dass sich in dem fraglichen Gebiet […] einstellt […]. Wenn er dagegen ein Miteinander gar nicht anstrebt oder wenn eine solche Entwicklung wegen der vorhandenen Bebauung oder aufgrund sonstiger Festsetzungen im Bebauungsplan faktisch nicht zu erreichen ist, stellt die Festsetzung […] einen städtebaulich nicht gerechtfertigten „Etikettenschwindel“ dar (siehe auch OVG Münster Urt. v. 9. 10. 2003 – 10 a D 71/01 NE, juris).“
Tatsächlich gewollt (nur das ist realistisch) ist die Ermöglichung einer störenden Nutzung mit Gewerbecharakter. Die Bezeichnung als „nicht störend“ ist ein der Beschwichtigung dienender sog. Etikettenschwindel.
Auch in SO 2 erscheint die Kombination von dauerhaften Wohnnutzungen mit einem gewerblich-touristischen Betrieb problematisch, da hier wohnverträgliche Ruhe und betriebliche Eventkultur auf engem Raum kollidieren. Es fehlt an klaren Regelungen zur internen Gebietsgliederung oder Immissionsschutz innerhalb des Sondergebiets, die sicherstellen, dass etwa die Wohnungen und Ferienhäuser in SO 2 hinreichend vor Lärm des eigenen Cafés/Veranstaltungsbetriebs geschützt werden. Die Planung nimmt hier einen ungewöhnlichen Nutzungsmix vor, ohne die daraus entstehenden Konflikte innerhalb des Gebiets planerisch aufzulösen. Dies ist unter dem Gesichtspunkt des Gebots der konfliktarmen Zuordnung der Nutzungen kritisch zu sehen.
Die in SO 1 und SO 2 vorgesehene Kombination aus Hotel, Boardinghouse, Spa, Gastronomie, Seminaren, Veranstaltungen, Café, Kräuterproduktion, Ferienwohnungen und Arztpraxen überschreitet den Rahmen und konterkariert das Gebot klarer Gebietstypik. Es droht eine faktische Ballung von Eventstätten in unmittelbarer Nähe zu Wohnnutzung und damit am falschen Standort; die Steuerungskompetenz der Gemeinde (§ 1 Abs. 3 BauGB) wird auf diese Weise letztlich ausgehöhlt.
Ferner ist festzustellen, dass die geplante Umnutzung des Klosterareals in ein gewerblich-touristisches Sondergebiet dem bisher gültigen Flächennutzungsplan widerspricht. Der rechtskräftige FNP (Stand 2013) stellt das Areal als Fläche für die Landwirtschaft (Grünzug) dar. Die jetzt beabsichtigte Entwicklung zu einem Sondergebiet für Gastronomie, Beherbergung und Veranstaltungen ist damit nicht vereinbar. Laut Begründung soll zwar eine 5. Teilfortschreibung des FNP diese Änderung nachvollziehen (vgl. insofern auch die offengelegte 5. Teilfortschreibung des Flächennutzungsplans). Jedoch ist hervorzuheben, wie grundlegend der Charakter der Fläche geändert wird. Ursprünglich dem Außenbereich bzw. landwirtschaftlichen Nutzungen vorbehalten, soll nun ein intensives Veranstaltungs- und Tourismuszentrum etabliert werden.
Ein solcher Wandel bedarf nach § 1 Abs. 4 BauGB der strikten Beachtung der Ziele der Raumordnung, insbesondere des Landesentwicklungsprogramms IV (LEP IV). LEP IV fordert u.a. eine flächensparende Entwicklung und den Vorrang der Innenentwicklung vor neuer Außenentwicklung. Die vorliegende Planung versucht, diese Anforderungen zu umgehen, indem sie argumentiert, es handle sich um eine besondere bereits baulich geprägte Sondersituation innerhalb bestehender Klostermauern, also quasi eine Innenentwicklung im Außenbereich. Dies mag von der Oberen Landesplanungsbehörde (SGD Süd) in einer Stellungnahme vom 17. August 2020 als ausreichend angesehen worden sein, um ein formelles Zielabweichungsverfahren zu vermeiden. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass die geplanten umfangreichen Neubauten und Nutzungen in einem bisher weitgehend unbebauten, denkmalgeschützten Ensemble einen schweren Eingriff in die bisherige Planungs- und Entwicklungsphilosophie darstellen. Die Erforderlichkeit dieser Planung i.S.v. § 1 Abs. 3 BauGB ist fraglich, zumal sie offensichtlich primär der Privatnutzung durch Investoren zur wirtschaftlichen Gewinnmaximierung dient. Zwar wird der Denkmalschutz des historischen Klostergebäudes als Legitimationsgrund bemüht, doch tritt dieser Aspekt in der eigentlichen Planung in den Hintergrund – im Vordergrund stehen zahlreiche neue Gebäude und neue Nutzungsarten, die mit dem Denkmalschutz allenfalls indirekt verknüpft sind. Die Gemeinde muss sich fragen lassen, ob hier tatsächlich ein Gemeinwohlinteresse die Planung erforderlich macht oder ob überwiegend private Investoreninteressen verfolgt werden (Stichwort: fehlende Erforderlichkeit der Planung).
Die Darstellung und Begründung der Flächennutzungsplanung ist im Hinblick auf die vorgesehene „Sonderbaufläche mit der Zweckbestimmung Klosterareal mit ergänzenden privaten Grünflächen“ zu beanstanden. Denn bei der Darstellung von Sonderbauflächen in Flächennutzungsplänen bestehen besondere Anforderungen, weil für solche Flächen die BauNVO die Zweckbestimmung gerade offenlässt. Das bringt aber das Erfordernis mit sich, dass dann im Rahmen der Bauleitplanung eine hinreichend konkrete nähere Bestimmung des Zwecks erforderlich ist (vgl. BVerwG Urt. v. 18.2.1994 – 4 C 4.92). Hier wird der erforderliche Bestimmtheitsgrad nicht erreicht, insbesondere deshalb, weil nur ein Teil der geplanten Nutzungen aus der Begründung (nicht aus der Zweck-Darstellung) offen und transparent benannt wird. Nicht erwähnt werden vor allem die besonders konfliktträchtigen Nutzungen wie Veranstaltungen, Hochzeiten, Boardinghausnutzung, Laden-/Gerwerbenutzung und Seminarräumenutzung. Die Folge ist, dass diese Intransparenz geeignet ist, eine falsche Vorstellung von der Planung zu vermitteln – insbesondere, um die Zustimmung der Unteren Landesplanungsbehörde und der SGD Süd zu erhalten. Genau deshalb, um einer solchen Praxis vorzubeugen, verlangt die Rechtsprechung, das Geplante hinreichend bestimmt (und auch vollständig) zu benennen, oder anders formuliert: ein Etikettenschwindel oder intransparente Formulierungen führen zur rechtlichen Angreifbarkeit der Planung.
Das Vorhaben umfasst Lärmquellen, die bereits für sich betrachtet erheblich sind, erst recht aber in ihrem Zusammenwirken (zumal schon jetzt nicht unerhebliche Belastungen durch den Hotelbetrieb am Triefenbach und die Alla-Hopp-Anlage bestehen):
Eine schalltechnische Immissionsprognose (Immissionsprognose, Oktober 2023) wurde erstellt und in die Begründung einbezogen. Diese Prognose behauptet, dass die von der Planung ausgehenden Geräuschimmissionen in allen Lastfällen (1 – 4) sowohl tags als auch nachts unter den geltenden Immissionsrichtwerten bleiben. Das wird jedoch nur dadurch erreicht, dass im Gutachten zahlreiche entlastende Annahmen getroffen werden.
All diese Annahmen sind derart offensichtlich ergebnisorientiert und betriebswirtschaftlich motiviert, dass es erstaunt, wenn eine Kommune mit einer solchen Prognose ernsthaft versucht, eine (an rechtlichen Anforderungen zu messende) Bebauungsplanung zu betreiben. Die Annahmen entbehren einer belastbaren Grundlage, mit anderen Worten: Die Immissionsprognose „rechnet” den Betrieb schön, indem es auf freiwillige Selbstbeschränkungen der Betreiber und Gäste vertraut.
Das geht weit über den in solchen Konstellationen nicht selten vorkommenden Konfliktbewältigungsausfall hinaus; vielmehr liegt (auch hier) ein mit Händen zu greifender sog. Etikettenschwindel vor. Es wird eine verlässliche Steuerung behauptet, die aber nicht nur nicht gesichert ist, sondern von der Freiwilligkeit desjenigen, der aus wirtschaftlichen Gründen kein Interesse daran hat, ausgeht. Eine solche Planung ist bestenfalls naiv; schlechtestenfalls nimmt sie bewusst Überschreitungen in Kauf, weil das Projekt möglichst projektiererfreundlich realisiert werden soll.
Die der Immissionsprognose zugrunde liegenden Annahmen sindlebensfremd. Erfahrungsgemäß werden Gäste von Veranstaltungen an lauen Sommerabenden nicht um 20 Uhr freiwillig nach innen gehen, sondern möglichst lange im Freien bleiben. Ebenso wenig ist gesichert, dass ein DJ oder Musiker nach 22 Uhr von sich aus die Lautstärke reduziert. Die Prognose geht auch davon aus, dass 50% der Gäste nicht reden, sodass nur die Hälfte zum Geräuschpegel beiträgt. In der Praxis von Feiern (Hochzeiten etc.) ist jedoch mit johlenden Ausrufen, Gesang, Applaus und lautem Lachen vieler Anwesenden zu rechnen, was zu deutlich höheren Spitzenpegeln führt, als im Gutachten unterstellt. Die Immissionsprognose macht hier pauschal beruhigende Aussagen ohne belastbare empirische Herleitung.
Ähnlich lebensfremd ist auch die in der Immissionsprognose zu findende Erwägung, dass das Vermieten der Hotelzimmer an Feiernde eine schützende Wirkung für die Umgebung habe, weil Parklärm entfalle. Realistisch betrachtet dürfte genau das Gegenteil für die Umgebung eintreten: Wenn diejenigen, die Feiern, im Hotel übernachten anstatt nach Hause zu fahren, erhöht sich – erstens – der Alkoholpegel (und damit der Lärm) und – zweitens – wird ausdauernder gefeiert. Es ist nur realistisch, anzunehmen, dass die Bilanzierung von Vor- und Nachteilen zu deutlich gewichtigeren Nachteilen führt – gewiss ist es aber falsch (und provoziert die Planung angreifbar machende Abwägungsfehler), der Entscheidung die Annahme eines Vorteils aufgrund von Hotelübernachtungen zugrundezulegen, während die (überwiegenden) Nachteile nicht genannt werden.
Tatsächlich mussten bei früheren Veranstaltungen auf dem Gelände (Betrieb bis 2018) regelmäßig die Polizei wegen nächtlichen Lärms gerufen werden, ausgelöst durch Anwohner auch aus weiter entfernten Straßen (z.B. Landauer Weg östlich des Geländes). Dies belegt, dass der effektive Einwirkungsbereich des Veranstaltungslärms größer ist, als im Gutachten betrachtet. Dennoch weist die Immissionsprognose „in Richtung Süden weiße Flecken“ (ungenügend abgedecktes Gebiet) auf und endet nach Osten frühzeitig, ohne jene Anwohner ausreichend zu betrachten. Vorbelastungen aus der früheren Nutzung (Klosterbetrieb bis 2018, inkl. Kräutergarten-Events) wurden nicht angemessen analysiert, obwohl der Gemeinde bekannt war, dass es bereits zahlreiche Lärmbeschwerden gab. Das Gebot der Konfliktbewältigung verlangt, solche bestehenden Konflikte im neuen Bebauungsplan zu lösen, statt sie zu ignorieren.
Weiter wird der Park-/Verkehrslärm schöngerechnet, indem unterstellt wird, viele Parkplätze seien durch Hotelgäste belegt und stünden Veranstaltungsgästen gar nicht zur Verfügung – daher käme es angeblich nur zu 10 Kfz-Fahrten nach 22 Uhr trotz Veranstaltungen mit 400–500 Personen. Diese Annahme ist äußerst unwahrscheinlich.
Das Projekt umfasst diverse Nutzungen, die jeweils einen Stellplatzbedarf generieren (Hotelgäste, Boardinghouse-Bewohner, Restaurantbesucher, Seminarteilnehmer, Eventgäste, Mitarbeiter, Bewohner der Ferienhäuser/Wohnungen etc.). Der Bebauungsplan selbst trifft jedoch keine konkreten Festsetzungen zwecks Bewältigung dieses Themas. Zur Stellplatzanzahl oder -nachweis. Weder im zeichnerischen Teil noch im Text wird verbindlich ausgewiesen, wie viele Kfz-Stellplätze insgesamt geschaffen werden und welcher Nutzung diese zugeordnet sind. Nach den einschlägigen Richtzahlen (z.B. Parkplatzrichtzahlen RLP) ergibt sich für das geplante Nutzungsgemisch ein erheblicher Stellplatzbedarf. Unsere eigenen Berechnungen auf Basis der im Plan festgesetzten Nutzungskapazitäten zeigen einen Bedarf von mindestens ca. 96 bis zu 168 Stellplätzen – je nachdem, ob man eher großzügige oder restriktive Maßstäbe anlegt. Im Einzelnen wurde überschlägig angesetzt (in Anlehnung an Richtzahlen des Landes):
Diese Zahlen verstehen sich als grobe Richtgröße; tatsächlich käme ggf. noch Bedarf für Mitarbeiter und Besucher des Kräuterbetriebs hinzu. Insgesamt ergibt sich so selbst unter günstigen Annahmen ein hoher zweistelliger Stellplatzbedarf, im ungünstigeren Fall sogar weit über 150 Plätze. Diesen Bedarf auf dem Gelände abzuwickeln, erscheint kaum realistisch, zumal die vorliegenden Planunterlagen keine klare Stellplatzaufteilung erkennen lassen. Offenbar sind im Klosterhof und westlichen Bereich einige Parkplätze vorgesehen (u.a. 6 am Weinberg laut Entwässerungsplan), weitere entlang der Klosterstraße außerhalb der Klostermauern (diese existierten bereits im Bestand und liegen direkt vor Wohnhäusern). Doch wie viele es insgesamt sind, bleibt unklar. Der Umweltbericht erwähnt an einer Stelle, dass die Erschließung und Nutzung des Plangebietes keine unzumutbaren Verkehrslärmauswirkungen auf die Nachbarschaft haben soll, was wohl heißt, dass man von geringem zusätzlichem Kfz-Verkehr ausgeht.
In der Immissionsprognose selbst wurde – wie oben dargestellt – rechnerisch unterstellt, nach 22 Uhr fänden nur 10 Auto-Fahrten statt. Dies impliziert die Annahme, dass ein großer Teil der Veranstaltungsgäste bereits als Hotelgäste vor Ort übernachtet (und somit nicht wegfährt). Eine derart weitgehende Doppelnutzung der Stellplätze (zunächst anreisende Hotelgäste, dann am selben Abend keine neuen Veranstaltungsgäste mehr mit Autos) steht jedoch auf tönernen Füßen; es handelt sich um eine haltlose Spekulation. Ebenso wenig ist gesichert, dass bei größeren Events ein Shuttle-Service eingerichtet wird o.ä. (eine Idee, die im ersten Planentwurf offenbar erwogen, nun aber fallen gelassen wurde). Stattdessen findet sich in der Prognose der Hinweis, man werde „in Einladungen auf öffentliche Parkplätze in der Umgebung verweisen“. Das heißt im Klartext: Man verlässt sich darauf, dass Gäste auf weiter entfernte öffentliche Stellplätze ausweichen. Ob diese vorhanden sind und angenommen werden, ist ungewiss. Wahrscheinlicher ist, dass Veranstaltungsbesucher in den angrenzenden Wohnstraßen und Wirtschaftswegen parken, wie es bis 2018 bereits häufig geschah. Dies würde zu erhöhtem Parksuchverkehr und Wildparken vor den Häusern der Anwohner führen – ein Szenario, das der Bebauungsplan weder verhindert noch überhaupt thematisiert.
Gerade weil die Parkplatzfrage konfliktträchtig ist, wäre es Aufgabe der Bauleitplanung gewesen, hier lenkend einzugreifen. Üblich und möglich wären z.B. Festsetzungen nach § 9 Abs. 1 Nr. 26 BauGB (Stellplatzflächen festsetzen) oder nach Nr. 22 (Flächen für Gemeinschaftsstellplätze). Der Bebauungsplan lässt die zentrale Frage offen, wo der Verkehr der 400 – 500 Besucher bei Großveranstaltungen bleibt.
Abgesehen davon ist auch die Verkehrserhöhung zu erwähnen. Das Klosterareal wird über die schmale Klosterstraße (K6) erschlossen, die durch ein Wohngebiet führt. Verkehr bei Veranstaltungen oder Tagungen könnten zu Verkehrsspitzen und Staus führen. Ein eigenes Verkehrsgutachten wurde – soweit ersichtlich – nicht erstellt. Damit hat die Gemeinde einen Teil der notwendigen Sachverhaltsermittlung unterlassen. Die Stellungnahmen aus der frühzeitigen Beteiligung wiesen bereits auf Verkehrsprobleme hin; trotzdem fehlt im Entwurf eine belastbare Prognose über das tägliche und Spitzen-Verkehrsaufkommen. Auch Aspekte wie Lieferverkehr (Lkw für Hotel/Gastronomie) und Rettungswege bei Großveranstaltungen sind nicht transparent dargelegt. Dies alles verstärkt den Eindruck, dass man potentielle Konflikte bewusst ausblendet, um dem Betreiber keine Einschränkungen auferlegen zu müssen.
Die Planung krankt an einem erheblichen Steuerungsdefizit in verkehrlicher Hinsicht. Ein Bebauungsplan soll die nachteiligen Folgen eines Vorhabens für die Umgebung minimieren und steuern – hier jedoch wird gerade der Verkehr, einer der wichtigsten Konfliktfaktoren, ausgeklammert. Dies stellt einen Abwägungsmangel dar.
Effektive Lärmschutzmaßnahmen sind im Bebauungsplan nicht vorgesehen. Gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 24 BauGB könnten z.B. bestimmte betriebliche Abläufe oder Immissionskontingente vorgegeben werden. Doch die Planbegründung stellt explizit fest, dass aufgrund der (auf unrealistischen Annahmen beruhende) Immissionsprognose keine Festsetzungen im Bebauungsplan erforderlich seien. Diese Schlussfolgerung beruht auf dem Vertrauen in die freiwilligen Maßnahmen und die optimistischen Annahmen des Gutachtens.
So wird argumentiert, Lastfall 4 (Simultanbetrieb Kloster und Kräutergarten) trete praktisch nicht ein, da man von keiner Gleichzeitigkeit ausgehe – andernfalls solle dies ein „seltenes Ereignis” (< 10/Jahr) sein. Weiter heißt es, bei Veranstaltungen im Kloster würden die Hotelzimmer an Besucher vermietet, wodurch nächtliche Abfahrten verringert würden. Doch ob und wie solche Zusagen der Betreiber tatsächlich umgesetzt werden, bleibt völlig offen; sie sind weder im Plan noch anderweitig öffentlich-rechtlich gesichert. Es existieren keine Vorgaben zu Schließzeiten, keine Musikverbote im Außenbereich, keine Begrenzung paralleler Veranstaltungen, kein Monitoring-Konzept – kurzum: kein Instrumentarium, um die Einhaltung der Immissionsrichtwerte sicherzustellen.
Darüber hinaus ist die Berufung auf die Regelung der „seltenen Ereignisse“ nach TA Lärm im Kontext kommerzieller Veranstaltungen rechtlich nicht haltbar. Nach Nr. 7.2 TA Lärm dürfen Überschreitungen der Immissionsrichtwerte ausnahmsweise an max. 10 Kalendertagen pro Jahr zugelassen werden, wenn es sich um besondere Anlässe handelt. Klassische Beispiele sind herausgehobene Feste der Kommune oder örtlicher Vereine (etwa traditionelle Dorf- oder Stadtfeste), die als sozialadäquat gelten. Gewerbliche Events oder private Feiern hingegen zählen nicht hierzu; solche Lärmimmissionen werden von Anwohnern gerade nicht in erhöhtem Maß als sozialadäquat akzeptiert.
Die Annahme, man könne parallele Hochzeitsfeiern im Kloster und Kräutergarten einfach als „seltene Ereignisse” deklarieren, verkennt den Sinn der Ausnahmeregel. Bei einem auf Gewinnerzielung gerichteten Eventbetrieb ist vielmehr zu erwarten, dass möglichst viele Veranstaltungen stattfinden sollen. Es droht damit eine Regelmäßigkeit von Lärmspitzen, die keinesfalls als seltene, entschuldbare Ausnahme abgetan werden können. Selbst wenn man formal die ≤ 10-Tage-Grenze einhält, wären 10 Hochzeits-Wochenenden pro Jahr mit nächtlichem Lärm für die Nachbarschaft unzumutbar. Hier fehlt eine klare Grenze; etwa eine Beschränkung kommerzieller Open-Air-Events auf ein Minimum oder strengere Auflagen für Musik nach 22 Uhr.
Erwähnt sei an dieser Stelle auch, dass Gebiet um die Klosterstaße bereits an sechs Tagen pro Jahr mit Lärm durch öffentliche Veranstaltungen (Owwergaesser Winzerkerwe und Rock am Friedensdenkmal) belastet ist. Und auch die bereits oben erwähnten Belastungen durch den Hotelbetrieb am Triefenbach und die Alla-Hopp-Anlage sind relevant und im Rahmen der gebotenen Konfliktbewältigung zu berücksichtigen; siehe BeckOK BauGB/Dirnberger, 66. Ed. 1.5.2025, BauGB § 1 Rn. 186, beck-online:
„Besonders deutlich wird dies im Bereich des Immissionsschutzes, in dem sehr häufig Konflikte auftauchen, denen sich die Gemeinde stellen muss. […] Maßgeblich sind insoweit die Besonderheiten des jeweiligen Plangebiets und seiner Umgebung; daneben kann es auf vorhandene Vorbelastungen und ihre rechtliche Bewertung ankommen (vgl. VGH München BeckRS 2008, 27616; vgl. auch OVG Koblenz BeckRS 2017, 124441)“
3.6 Gebietscharakter falsch zugrunde gelegt
Ein weiterer Mangel besteht darin, dass die Immissionsprognose einen unzutreffenden Gebietscharakter zugrunde legt. Sie stuft die umliegende Bebauung im Flächennutzungsplan als Dorfgebiet bzw. als Mischgebiet ein. Insbesondere hinsichtlich des Grundstücks unseres Mandanten geht die Prognose von einem Mischgebiet aus. Das hält einer Überprüfung nicht stand. Denn maßgeblich ist insofern nicht der Flächennutzungsplan. Nach 6.6 der TA Lärm ist ein etwaiger Bebauungsplan maßgeblich und im Übrigen die tatsächliche Nutzung. Eine Bebauungsplanfestsetzung gibt es hier nicht, sodass es auf die tatsächliche Nutznutzung ankommt. Diese ist aber weder mischgebiets-, noch dorfgebietstypisch. Für die Annahme eines Mischgebiets müsste eine „gleichberechtigte Durchmischung von Wohnen und Gewerbe“ vorliegen (vgl. OVG Rheinl.-Pfalz, Urt. vom 21. Juni 2017 – 8 C 10068/17.OVG. = ZfBR 2017, 808, beck-online). Eine derartige Durchmischung setzt nach der obergerichtlichen Rechtsprechung folgendes voraus:
„Die beiden Hauptnutzungsarten müssen sowohl quantitativ als auch qualitativ durchmischt gegeben sein (VGH München Beschl. v. 12.7.2010 – 14 CS 10.327).“ [ZBK/Söfker, 137. EL Februar 2020, BauNVO § 6 b]
Hier überwiegt eindeutig die Wohnnutzung, sodass nach Lage der Dinge von einem allgemeinen Wohngebiet nach § 4 BauNVO auszugehen ist. Dass ein solcher Trick (die Annahme eines unzutreffenden Gebietstypus, um zu anderen Werten zu verlangen) rechtlich nicht belastbar ist, hat die obergerichtliche Rechtsprechung bereits mehrfach entschieden (siehe bspw. OVG Niedersachsen, Urteil vom 14. Februar 2007 – 12 LC 37/07 -, juris, Rn. 40; OVG Koblenz Urt. v. 12.4.2011 – 8 C 10056/11.OVG, BeckRS 2011, 50178, beck-online).
Auch sei erwähnt, dass neben den Schall auch Lichtimmissionen durch nächtliche Veranstaltungen ein Thema sind (Stichwort: Scheinwerfer, Außenbeleuchtung, Kfz-Scheinwerfer). In den Planunterlagen wird die Lichtbelastung kaum behandelt, obwohl eine intensive nächtliche Nutzung des Areals geplant ist. Unkontrollierte künstliche Beleuchtung kann ebenfalls das Ruhebedürfnis und die Wohnqualität der Anrainer beeinträchtigen. Die unterlassenen Festsetzungen zum Lärmschutz erstrecken sich somit sinngemäß auch auf den Bereich Licht – auch hier kein Hinweis auf Abschirmungen, Zeitschaltuhren oder ähnliches.
In den vorangegangenen Abschnitten wurde bereits deutlich: Die Gemeinde Edenkoben hat sich in diesem Bebauungsplan weitgehend zurückgehalten, was das Steuern und Bewältigen von Raumnutzungskonflikten angeht. Kritische Nutzungsaspekte (Lärm, Verkehr, Nutzungsintensität) werden entweder gar nicht geregelt oder an zukünftige Verfahren delegiert. Dieses Phänomen – das bewusste Verzichten auf Festsetzungen in der Hoffnung, Probleme später privatwirtschaftlich oder verwaltungsintern lösen zu können – ist im Planungsrecht nicht unbekannt, aber gefährlich für den Abwägungsprozess und damit für die Rechtmäßigkeit der Planung. Es droht ein Durchführungsdefizit, wenn ein Bebauungsplan zwar rechtlich etwas ermöglicht, aber die Bewältigung der damit verbundenen Konflikte offenlässt. Hier konkret hat die Stadt Edenkoben offenbar darauf vertraut, dass städtebauliche Verträge oder privatrechtliche Vereinbarungen mit den Investoren ausreichend sind. Doch solche Abreden sind nicht dauerhaft belastbar – sie gelten etwa nicht gegenüber Rechtsnachfolgern und entziehen sich häufig der Kontrolle.
Im Folgenden geben wir einige Ausführungen aus obergerichtlichen Entscheidungen und aus einschlägiger Kommentarliteratur wieder, die veranschaulichen, welcher rechtliche Maßstab bei derartigen Raumnutzungskonflikten anzulegen ist:
Die vorstehend aufgezeigten rechtlichen Grenzen sind hier, wie dargelegt, in mehrfacher Hinsicht überschritten worden:
Ein weiterer Aspekt der Abwägung ist die Frage, ob die Planung insgesamt einen vertretbaren Ausgleich der Interessen vornimmt. Hier fällt auf, dass die Gemeinde einseitig die Interessen der Investoren am wirtschaftlichen Betrieb in den Vordergrund stellt („wirtschaftliche Nutzung ermöglichen, um das Gelände erhalten zu können“). Die offengelegten Dokumente wirken, als ob dieses Argument von den Betreibern des Klosters vorgegeben und bislang unkritisch übernommen wurde.
Es mag zutreffen, dass eine gewisse rentierliche Nutzung nötig ist, um die historische Substanz zu erhalten; doch ist zu prüfen, welche Intensität wirklich erforderlich ist. Alternativen, weniger konfliktträchtige Konzepte (z.B. geringere Veranstaltungsgrößen, frühere Ruhezeiten, ausschließlich intern vergebene Parkflächen etc.) wurden offenbar nicht ernsthaft untersucht. Stattdessen wurden die Wünsche des Projektierer nahezu vollständig übernommen.
Dies ist eine Fehleinschätzung der Bedeutung der Nachbarbelange; die Interessen der Anwohner auf Schutz haben in der bislang vorgesehenen Abwägung kein angemessenes Gewicht gefunden. Ein Bebauungsplan, der hunderte fremde Gäste bis tief in die Nacht hinein in ein Wohnumfeld hineinträgt (und dies ohne gesicherte Schutzvorkehrungen bzw. Konfliktbewältigung), stellt einen eklatanten Abwägungsfehler dar.
Auch denkmalschutzrechtlich erscheint das Verfahren problematisch. Die Denkmalzone Kloster Heilsbruck genießt besonderen gesetzlichen Schutz. Die vorliegenden Bürgerhinweise (siehe Abwägung der Öffentlichkeitsbeteiligung) kritisieren zu Recht, dass die Vielzahl geplanter Neubauten im Rahmen des SO2 das historische Ensemble beeinträchtigen könnte. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch, dass in der Rechtsverordnung zur Denkmalzone von 1997 explizit auch die Frei- und Grünflächen geschützt wurden. Damit sind neue Gebäude in SO2 nicht zu vereinbaren. Auch hier zeigt sich: Das öffentliche Interesse am Erhalt des charakteristischen Denkmalareals wurde in der Abwägung offenbar hinter die Verwertungsinteressen gestellt. Auch insofern ist die (beabsichtigte) Abwägung rechtlich nicht mangelfrei.
Hinzu kommt ein weiterer Denkmalaspekt: Die historische Klostermauer hatte früher (und auch 1997, als die Denkmalzone eingerichtet wurde) Richtung Westen eine 2 m breite Einfahrt. Im Rahmen des Baus des Kräutergartens im Jahr 2012 wurde diese auf 6 m erweitert. Nun soll diese Öffnung in der historische Klostermauer im Westen sogar auf 11 m erweitert werden, so dass weitere Teile der geschützten Klostermauer abgetragen würden. Auch dieses Thema blendet die Bebauungsplanung konsequent aus. Die Herstellung einer Konfliktbewältigung bzw. eines (rechtlich) angemessenen Ausgleichs unter Berücksichtigung denkmalschutzrechtlicher Erwägungen, fehlt vollständig.
Der Bebauungsplan verweist in seiner Begründung auf einen Umweltbericht und artenschutzrechtliche Gutachten. Darin sind zahlreiche Empfehlungen und Maßnahmen beschrieben (z.B. Versickerungs- und Begrünungsmaßnahmen, Schutz von Mauereidechsen und Fledermäusen etc.). Allerdings stellt sich die Frage, welche dieser Maßnahmen tatsächlich wirksam Berücksichtigung finden. Einiges findet sich in den textlichen Festsetzungen (z.B. Begrünungsgebote für Dächer und Stellplätze, Art der Einfriedungen, Pflanzlisten für Ausgleichsmaßnahmen). Vieles bleibt jedoch vage oder nur in der Begründung erwähnt. Beispielsweise ist im Umweltbericht die Rede davon, dass private Grünflächen gärtnerisch gestaltet werden sollen, um neue Bruträume zu schaffen; bewältigt wird dieses Thema dann aber nicht. Ebenso dürften diverse Artenschutz-Maßnahmen (Umsiedlung von Mauereidechsen, Schaffung von Ersatzhabitaten) erforderlich sein. Der Bebauungsplan müsste hierzu entweder Maßnahmenflächen festsetzen oder zumindest über eine Durchführungsvereinbarung absichern, dass der Vorhabenträger die Vorgaben aus dem Gutachten umsetzt. Wir konnten jedoch keine entsprechenden Festsetzungskarten oder -texte entdecken (etwa nach § 9 Abs. 1a BauGB).
Ergänzend möchten wir – auch wenn dies nicht unmittelbar rechtlich relevant ist – darauf hinweisen, dass der gleiche Investor (Fa. Speeter), der das Kloster entwickeln will, in Maikammer ein Hotelprojekt angeschoben hat; gewissermaßen auf der grünen Wiese ohne Bestandsbebauung. Die Gemeinde Maikammer hatte dafür im Jahr 2019 einen massgeschneiderten Bebauungsplan für dieses Vorhaben erstellt. Eine Umsetzung hat dann jedoch nicht stattgefunden. Nun, sechs Jahre später, wird der Investor mit der Aussage zitiert, dass er für ein Hotel mit 60 Zimmern keinen passenden Businessplan sehe und keinen Pächter finde, der das Hotel betreiben könne. Stattdessen soll daraus nun ein Business-Center werden, für welches man einen Ankermieter habe. Das wirft die Frage auf, wie nun der gleiche Investor ein derartiges Projekt in weniger als 3 km Entfernung realisieren möchte – mit weniger Zimmer, mit Denkmalschutzauflagen, mit stark renovierungsbedürftigen Bestandsgebäuden und (laut Schallschutzprognose) mit nur wenigen Veranstaltungen im Jahr. Das erweckt den Eindruck, dass sich der Investor über eine (diplomatisch formuliert) sehr entgegenkommende Bebauungsplanung Baurecht sichern möchte, um dann relativ frei in der Gestaltung zu sein – und damit einhergehend: zulasten der kommunalen Gestaltungsfreiheit. Eine nachträgliche Änderung der Bebauungsplan dürfte aufgrund des Planschadensrechts im BauGB problematisch sein.
Zu beanstanden ist auch, dass die Erhöhung des Kräutergarten-Gebäudes nicht in die Planung aufgenommen wurde. Der Investor hat sein Hauptgebäude im neuen Entwurf um bis zu 5 m erhöht (in der frühzeitigen Beteiligung 2021 war das noch nicht vorgesehen), um ein weiteres Stockwerk bauen zu können. Dies führt dazu, dass das Gebäude am Ende höher als das Hauptgebäude des Klosters wäre. Diese Änderung wird im Text nicht erwähnt.
Es lässt sich festhalten, dass der vorliegende Bebauungsplanentwurf in mehrfacher Hinsicht und auch recht deutlich die rechtlichen Maßgaben, die zu beachten sind, nicht berücksichtigt. Ein Normenkontrollverfahren gegen eine solche Planung hätte, wie dargelegt, aus mehreren Gründen Erfolg:
Das zeigen die bereits bekannten obergerichtlichen Entscheidungen zu den auch hier relevanten planungsrechtlichen Fragestellungen. Deshalb fordern wir die Stadt Edenkoben namens und im Auftrag unserer Partei auf, die Planung grundlegend zu überdenken und umzugestalten oder aufzugeben.
Orientierungshilfe zur Abgabe von Stellungnahmen bis 11. August 2025
1. Verfahren & Beteiligung
Dokument 01-abwaegung-behoerden.pdf (28 Seiten)
→ Zentrale Kritikpunkte der Behörden werden teilweise ignoriert oder unzureichend abgewogen:
– Denkmalbehörde warnt vor irreparablen Schäden an der Denkmalzone
– Keine fundierte Auseinandersetzung mit den Auswirkungen auf Natur, Verkehr und Immissionen
– Fachbehördliche Hinweise (z. B. Brandschutz, Wasserrecht, Naturschutz) bleiben teilweise unbeantwortet
2. Bebauungsplan & Festsetzungen
Dokument 03-planzeichnung.pdf
→ Große Baufelder im Kräutergarten mitten in der Denkmalzone, ohne Rücksicht auf historische Ensemblewirkung
– Wegeführung, Zufahrten und Stellplätze zerstören den Charakter der Klosteranlage
– Grünflächen / Gartenanlage werden in Baufläche umgewandelt
Dokument 04-textliche-festsetzungen.pdf (28 Seiten)
→ Fehlende Differenzierung und unklare Formulierungen begünstigen spätere Ausweitungen
– Keine klare Begrenzung der Nutzung (z. B. Außengastronomie, Veranstaltungen)
– Zahlreiche Regelungen zugunsten des Investors, aber keine klaren Pflichten zum Schutz der Denkmalzone und des Umfelds
Dokument 05-begruendung.pdf (30 Seiten)
→ Begründung blendet zentrale Auswirkungen der Planung aus
– Eingriffe in Denkmalzone, Auswirkungen Verkehr und Natur werden als „verträglich“ deklariert
– Keine Alternativenprüfung oder kritische Auseinandersetzung mit Varianten
3. Verkehr
Behandelt in: Dokument 01-abwaegung-behoerden.pdf, Dokument 05-begruendung.pdf
→ Keine Verkehrsuntersuchung, keine Simulation – erhebliche Belastung bleibt unbeachtet
– Zufahrt über für den Verkehr nicht ausgelegte Klosterstraße
– Keine Aussagen zur Zahl der Fahrten, zu Spitzenzeiten, zu Liefer- und Müllfahrzeugen
– Risiken für Anwohner, Fußgänger und Radverkehr steigen deutlich
– Keine nachhaltige Verkehrsstrategie
4. Parken
• Behandelt in: Dokument 04-textliche-festsetzungen.pdf, Dokument 05-begruendung.pdf
→ 80 Stellplätze reichen nicht aus
– wildes Parken wird wie schon bei früheren Veranstaltungen zum Problem
5. Lärm & Nutzungskonflikte
Dokument 12-schalltechnische-immissionsprognose.pdf (18 Seiten)
→ Lärmbelastung durch Außennutzung, Veranstaltungen und Anlieferung unterschätzt
– Keine realistische Abbildung von Hotelbetrieb mit Außengastronomie
– Nachtlärm, Musik, Müllentsorgung – alles wird heruntergerechnet
– Prognose basiert auf Idealwerten, nicht auf tatsächlichen Nutzungen
6. Denkmalschutz
→ Klares Nein der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) zur Bebauung der Freiflächen in der ersten Stellungnahme wird ignoriert
– Ferienhäuser im Kräutergarten verstossen gegen Rechtsverordnung Denkmalzone Kloster Heilsbruck
– Gebäudehöhe des Bestandsgebäudes im Kräutergarten wurde in der 2. Offenlegung angepasst, sodass eine Aufstockung möglich wäre und das Gebäude höher als das Kloster selbst wäre
7. Umwelt & Natur
Dokument 06-umweltbericht.pdf (47 Seiten)
→ Eingriffe in Boden, Artenvielfalt und Landschaftsbild werden als gering eingestuft – entgegen den Tatsachen
– Hoher Versiegelungsgrad und Hangverschnitt ohne ausreichende Kompensation
– Langfristige Beeinträchtigung von Mikroklima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt
Dokument 07–11 (Artenschutz-Gutachten)
→ Fledermäuse, Zauneidechsen und weitere geschützte Arten sind nachweislich vorhanden – Schutzmaßnahmen aber unklar, ungenügend oder nicht durchsetzbar
– Vorhaben widerspricht potenziell dem Bundesnaturschutzgesetz
– Eingriffe wurden teilweise nur formal erfasst, ohne Konsequenzen für Planung
Frist zur Beteiligung: bis spätestens 11. August 2025
Warum ist eine Stellungnahme wichtig?
Die zweite Offenlage des Bebauungsplans „Kloster Heilsbruck“ ist die letzte Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, ihre Einwände und Anregungen offiziell geltend zu machen. Danach kann der Stadtrat über die endgültige Fassung des Plans beschließen. Nur wer sich fristgerecht beteiligt, kann auch später gegen den Plan vorgehen.
Wer kann eine Stellungnahme abgeben?
Jede Person, die sich betroffen fühlt – zum Beispiel durch geplante bauliche Veränderungen, Eingriffe in die Denkmalzone, ökologische Auswirkungen oder Verkehrs- und Lärmprobleme. Auch wer nicht in Edenkoben wohnt, kann sich beteiligen.
Was gehört in eine Stellungnahme?
Eine Stellungnahme muss keine juristische Facharbeit sein. Wichtig ist:
• Ein klarer Bezug zur Planung (z. B. zur Bebauung, zum Verkehr, zum Denkmalschutz)
• Begründete Bedenken oder Fragen
• Sachlicher Ton
• Angabe von Name und Adresse (anonyme Eingaben werden in der Regel nicht berücksichtigt)
Wie gebe ich eine Stellungnahme ab?
Sie können Ihre Stellungnahme auf folgenden Wegen einreichen:
• Per E-Mail an info@vg-edenkoben.de (im Betreff „Stellungnahme Bebauungsplan Kloster Heilsbruck“ angeben)
• Per Post an: Verbandsgemeindeverwaltung Edenkoben, Poststraße 23, 67480 Edenkoben
Wichtig: Die Stellungnahme muss spätestens am 11. August 2025 bei der Stadt eingegangen sein.
Wie kann eine Stellungnahme aussehen?
Hier ein einfaches Beispiel, das Sie individuell anpassen können:
Betreff: Stellungnahme zum Bebauungsplan „Kloster Heilsbruck“ (2. Offenlage)
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Rahmen der zweiten Offenlage mache ich von meinem Recht zur Beteiligung Gebrauch und äußere folgende Bedenken:
Denkmalschutz: Die geplante Bebauung innerhalb der Denkmalzone widerspricht meiner Ansicht nach dem Schutz der historischen Gesamtanlage. Insbesondere die Ferienhäuser im Bereich des Kräutergartens und die Stellplätze beeinträchtigen die Einheit der Klosteranlage.
Verkehr und Lärm: Es fehlen belastbare Daten zur Verkehrsbelastung und zu den Auswirkungen auf Anwohner. Auch die Nutzung des Areals für Gastronomie und Veranstaltungen birgt ein erhebliches Lärmpotenzial, das nicht ausreichend abgesichert ist.
(Weitere Punkte ergänzen)
Ich bitte um Berücksichtigung meiner Stellungnahme im weiteren Verfahren.
Mit freundlichen Grüßen
Die Interessengruppe Kloster Heilsbruck hat sich im Boulevard Edenkoben zu Wort gemeldet:
Jetzt an der Offenlegung beteiligen –
es ist die letzte Chance zum Erhalt des Klosters Heilsbruck!
Die Stadt Edenkoben hat den Bebauungsplan „Kloster Heilsbruck“ erneut offengelegt – es ist die entscheidende Phase des Verfahrens. Noch bis zum 11. August 2025 können Bürgerinnen und Bürger Stellung beziehen und Einwände abgeben. Danach wird der Stadtrat über die Zukunft der Denkmalzone entscheiden. Jetzt ist der Moment, Einfluss zu nehmen – denn die Planung wirft viele Fragen auf.
Schauen Sie selbst in die Unterlagen unter:
Verkehr, Lärm, Parken – ungelöste Probleme. Noch immer gibt es kein schlüssiges Verkehrskonzept – obwohl die Stadt in der Vergangenheit mehrfach ein umfassendes Verkehrsgutachten und -konzept für Edenkoben angekündigt hatte. Trotz geplanter Veranstaltungsnutzung mit mehreren Hundert Personen auf dem Gelände fehlt ein Nachweis, wie die Verkehrs- und Parksituation bewältigt werden soll. Das soll künftig den Eigentümern und den Behörden überlassen bleiben.
Das Lärmschutzgutachten geht davon aus, dass freiwillige, nicht festgeschriebene Maßnahmen der Besucher und Betreiber für die Einhaltung der Grenzwerte sorgen. Man legt zugrunde, dass es an weniger als zehn Tagen pro Jahr gleichzeitige Veranstaltungen mit Musik im Freien gibt. Man schickt die Besucher zum Parken außerhalb des Geländes, der dadurch entstehende Verkehrslärm wird nicht berücksichtigt. Der Bereich, für den die Lärmbelastung vorausgesagt wird, umfasst noch nicht mal alle Gebiete, aus denen es in der Vergangenheit Beschwerden wegen Ruhestörung gab. Dadurch wird die tatsächliche Lärmbelastung deutlich unterschätzt und die Prognose schönt die Auswirkungen für die Anwohner.
Die sicher wichtigen Umweltgutachten für Fledermäuse, Reptilien & Co. füllen über 120 Seiten. Für Parken, Verkehr und Zufahrtssituation in der beengten Klosterstaße hingegen gibt es gerade einmal zwei Seiten Text – ohne konkrete Lösungen. Dieses Missverhältnis zeigt, wie unausgewogen die vorliegende Planung ist.
Im Kräutergarten kann ein bestehendes Gebäude deutlich aufgestockt werden und darf am Ende 1,50m höher als das Kloster selbst sein. Diese massive Veränderung wurde weder offen kommuniziert noch in der textlichen Begründung erwähnt, sondern versteckt in schwer verständlichen Höhenangaben in den Plänen. Wie trägt die Erweiterungen des Kräutergartens zu Lasten der Denkmalzone zum Erhalt des Klosters bei?
In den Unterlagen fehlt eine Darstellung, aus der für alle leicht verständlich hervorgeht, was wirklich gebaut werden darf, wie viele Personen maximal auf dem Gelände sein dürfen, wie viele Parkplätze es geben wird und welche Planungsrechte für die Grundstücke künftig gelten sollen.
Offenbar wurde bei der Bebauungsplanung zudem ignoriert, dass der Kräutergarten Teil der offiziellen Denkmalzone Kloster Heilsbruck ist – und somit auch dort Freiflächen vor weiterer Bebauung geschützt werden müssten.
Die Zeit drängt – für den Denkmalschutz und ein lebenswertes Edenkoben.
Der Zustand des Klosters verschlechtert sich seit dem Kauf durch Investoren im Jahr 2019 sichtbar weiter. Die Dächer sind undicht, auf den Nebengebäuden hat sich teilweise der Dachstuhl bereits abgesenkt. Der historische Laubengang mit den Reben wurde heimlich entfernt. Das Denkmalschutzgesetz verpflichtet jeden Eigentümer zum Erhalt eines Kulturdenkmals – dieser Pflicht wurde seit Jahren offensichtlich nicht nachgekommen.
In der Rheinpfalz vom 21.07. ist zu lesen, dass das vom gleichen Investor geplante Hotel in Maikammer mangels Rentabilität und qualifizierter Fachkräfte voraussichtlich nicht gebaut werden wird. Es ist schwer zu glauben, dass dies drei Kilometer weiter gelingen soll, ohne die anderen Nutzungen wie Veranstaltungen stark auszuweiten oder am Ende, wie in Maikammer, eine ganz andere Richtung der Nutzung einzuschlagen.
Reichen Sie Ihre Einwände bis spätestens 11. August 2025 bei der Stadt Edenkoben ein – per Post oder per E-Mail an: bauleitplanung@edenkoben.de
Jetzt Stellung nehmen! Nutzen Sie Ihre Stimme – für eine verträgliche und transparente Entwicklung des Kulturdenkmals Kloster Heilsbruck.
Ihre
Interessengruppe Erhalt Kloster Heilsbruck